Grillen auf dem Balkon – Rücksicht nehmen!

Grillen auf dem Balkon

Dank der ausgeprägten deutschen Grillkultur kommt es regelmäßig in der warmen Jahreszeit zu Streitigkeiten zwischen Nachbarn, beziehungsweise Mietern und Vermietern. Während der Eine leidenschaftlich gerne grillt, fühlt sich der Andere durch den Geruch, den Rauch und eventuell auch den bei einem Grillgelage entstehenden Lärm gestört.

Je enger Menschen beieinander wohnen, desto schneller ist von einer Beeinträchtigung auszugehen. Der Extremfall ist das Grillen auf dem Balkon im Mehrfamilienhaus in dem viele Parteien wohnen.

Grillen auf dem Balkon

Ein Gasgrill auf dem Balkon qualmt wesentlich weniger als ein Grill mit Holzkohle.

Grundsätzlich ist Grillen in Deutschland, auch auf dem Balkon, aber erlaubt. Jedoch darf jeder seine Rechte stets nur soweit ausüben, bis die Rechte anderer eingeschränkt werden. Dies ist ein Prinzip in unserem Rechtssystem.

Beim Grillen mit Holzkohle kommt es schnell zu einer starken Rauchentwicklung. Daher ist es durch viele Mietverträge und/oder Hausordnungen verboten, auf dem eigenen Balkon zu grillen, um Belästigungen anderer Mieter zu verhindern. Dies ist auch unbedingt zu respektieren, da wiederholte Missachtung der Hausordnung Abmahnungen und u.U. sogar die fristlose Kündigung der Mietsache nach sich ziehen kann.

Als kleines Rechenbeispiel soll ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Parteien herhalten. Würde man es in diesem Haus jedem erlauben, auch nur einmal im Monat zwischen April und September auf dem Balkon zu grillen, würde im Sommer bis zu 72 Mal und 3 Mal die Woche gegrillt werden. Das dies die Wohnqualität erheblich beeinträchtigt würde ist offensichtlich.

Um diese Probleme zu umschiffen ist die Nutzung von Gas- oder Elektrogrills zu empfehlen, da diese weniger Emissionen freisetzen. Leider ist dies aber auch nicht so schmackhaft, obwohl ein Gasgrill dem klassischen Holzkohlegrill geschmacklich schon sehr nahe kommt.

Die Rechtsprechung in Deutschland hat unterschiedliche Urteile zum Grillen gefällt. Das LG Stuttgart beispielsweise ist der Ansicht, das dreimal im Jahr für jeweils zwei Stunden gegrillt werden darf (Az. 10 T 359/96). Das Amtsgericht Bonn teilt diese Auffassung nicht und erlaubt es Mietern in einem Mehrfamilienhaus einmal im Monat zu grillen, jedoch müssen diese mindestens 48 Stunden vorher die Nachbarn informieren (Az. 6 C 545/96). Das Lamdgericht München hält auch 16maliges Grillen innerhalb von 8 Wochen für zumutbar (Az. 15 S 22735/03). Das Bayrische Oberlandesgericht hingegen meint, dass maximal fünf Mal pro Jahr gegrillt werden darf (Az. 2 ZBR 6/99). Aus dieser Rechtsprechung lässt sich keine einheiltiche Regelung ableiten.

Weitere Informationen und Urteile zum Thema Grillen findet Ihr auch bei dem Grill Ratgeber von immowelt.de.

Neben dem Geruch und Rauch ist auch eine eventuelle Lärmbelastung durch die Grillparty zu berücksichtigen. Ab 22.00 Uhr sollte natürlich darauf geachtet werden, dass keine Nachbarn durch Lärm gestört werden.

Ein Sonderfall ist das Land Brandenburg, in dem Grillen vom Emissionsschutzgesetz erfasst wird und zu unterlassen ist, wenn Nachbarn in erheblicher Weise durch Qualm und Rauch in ihren Wohn- und Schlafräumen gestört werden. Hier können sogar Bußgelder verhängt werden.

Auf Grund der doch etwas unübersichtlichen Rechtslage raten wir zu drei Dingen:

  1. Respektiere die Hausordnung und die Regelungen im Mietvertrag. Ein (wiederholter) Verstoß kann wirklich unangenehme Konsequenzen haben.
  2. Nimm Rücksicht auf Deine Nachbarn und vermeide möglichst Geruchsbelästigungen. Es gilt, wo kein Kläger, dort kein Richter. Auch darüber hinaus ist ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis wertvoller als eine Wurst mit Holzkohlearoma.
  3. Wer es ohne Grillen nicht aushält, macht dieses besser nicht auf dem Balkon, sondern verbindet es mit einem Ausflug ins Grüne. Am See, Fluss, Meer oder einfach bei einem Picknick in der Natur wird es keinen Menschen stören, sofern Ihr keinen Waldbrand auslöst.


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